Europas größten Naziaufmarsch in Dresden blockiert und verhindert

Im Folgenden sollen kurz unserer Erlebnisse geschildert werden. Die Anfahrt mit dem Buskonvoi endete ca. 5 Kilometer vor Dresden auf einer Bundesstraße. Die Polizei untersagte an dieser Stelle die weiterfahrt. Da war es naheliegend, einfach zu Fuß weiter zu laufen… eine Vorgehensweise, von der die Polizei offenbar vollkommen überrascht war. So liefen wir vom Süden her kommend in die Stadt hinein bis wir schließlich von einer Polizeikette aufgehalten wurden. Nur 500 Meter vom Hauptbahnhof und somit dem Versammlungsort der Nazis entfernt, wurde eine Sitzblockade gebildet. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Wir saßen vom Vormittag bis zum Abend auf der Kreuzung Strehlener Straße Ecke Franklinstraße und somit mitten auf der Naziroute. Da der Hauptbahnhof auch von allen anderen Richtungen her eingekreist war, gab es für die Nazis kein Durchkommen mehr. Wir haben wieder blockiert, jetzt ist der größte Naziaufmarsch Europas hoffentlich Geschichte.

Natürlich war unsere Blockade nur ein Mosaiksteinchen. In der Summe gehörten zu diesem Mosaik nicht nur friedliche Sitzblockaden sondern auch Barrikaden bauende Autonome und brennende Müllcontainer sowie Räuber und Gendarm Spiele zwischen den Einsatzhundertschaften der Polizei und meist jugendlichen AntifaschistInnen. Welche Form des Widerstands legitim erscheint und an welcher man sich beteiligen möchte, dass müssen alle für sich entscheiden. In der Summe haben aber alle AktivistInnen mit jeweils ihren Aktionen ein so heilloses Durcheinander in Dresden gestiftet, dass an die Durchführung des Aufmarsches bald nicht mehr zu denken war.

Kritische Worte müssen hier zu dem Verhalten der Polizei verloren werden. Den Versuch die Polizeikette zu umgehen beantworteten die Beamten mit dem sofortigen Einsatz von Pfefferspray und Schlagstock. Nach dem Einrichten der friedlichen Sitzblockade kam es immer wieder zu Übergriffen gegen TeilnehmerInnen der inzwischen angemeldeten (!) Kundgebung. Bei diesen Übergriffen wurde ebenfalls massiv Pfefferspray gegen die Menschen eingesetzt. Noch gewalttätiger war der Einsatz gegen all jene, welche versuchten durch Nebenstraßen näher an den Hauptbahnhof heran zu kommen. Der Versuch, den Nazis für einen möglichen Aufmarsch so wenig Raum wie möglich zu bieten, wurde von der Polizei mit dem Einsatz von CS-Tränengasgranaten und Wasserwerfern beantwortet. Der Einsatz von Wasserwerfern, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, ist mit wenig Rücksichtsvoll noch mild umschrieben. Zudem führte die Polizei am Nachmittag in der Nähe und unmittelbar an unserem Blockadepunkt mehrere Festnahmen durch. Bei diesen Festnahmen wurden die Festgenommenen in aller Regel mit Faustschlägen und Fußtritten traktiert während Menschen in der Umgebung massiv mit Pfefferspray besprüht wurden. Die Gerüchte um den Einsatz von Gummigeschossen, welche auch in den Medien aufgenommen wurden, müssen aufgeklärt werden. Update: Offenbar handelte es sich nicht um Gummigeschosse, sondern um mit Pfefferpulver gefüllte Plastikkugeln, sogenannte Pepperballs. Die taz Sammelte Bilder, Videos und Informationen in einem Bericht.

Trotz des hohen Preises, den einige TeilnehmerInnen der Proteste bezahlen mussten, kann am Ende des Tages in aller erster Linie der Erfolg betont werden. Wie letztes Jahr ist es gelungen, den größten Naziaufmarsch Europas zu verhindern.

Malte

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