Archiv für Oktober 2010

schallende Ohrfeige für die CDU – Fördermittel für Linksjugend [´solid] nachzuzahlen!

Das Verwaltungsgericht Gera hält die bisher nicht erfolgte Förderung der Linksjugend durch den Freistaat für rechtswidrig. Mit einem Vergleich endete gestern vor dem Verwaltungsgericht Gera der seit 2007 andauernde Rechtsstreit zwischen der Thüringer Staatskanzlei und der „Linksjugend [’solid]“ um die Förderung des Jugendverbandes der Partei Die LINKEThüringen durch den Freistaat.

Jahrelang sind der „Linksjugend“ unter Verweis auf die fehlende Mitgliedschaft im „Ring der politischen Jugend“ durch die Staatskanzlei Zuwendungen aus dem Fördertopf für politische Jugendverbände verwehrt worden. Zugleich blockierten „Junge Union“ und „Junge Liberale“ eine Aufnahme in den „Ring politischer Jugend“, dem die Jugendverbände der im Parlament vertretenen Parteien angehören.

Dieser Zustand sei unhaltbar und verstoße grob gegen das Gleichbehandlungsgebot des Artikels 3 des Grundgesetzes, stellte das Gericht in der mündlichen Verhandlung klar. Eine staatliche Förderung könne nicht von der Entscheidung Dritter abhängig gemacht werden.

Auch die Bemessung der Förderung an der Mitgliederzahl des Verbandes und die Ausreichung als Fehlbedarfsförderung sei mit Blick auf die Regelungen für politische Stiftungen zumindest bedenklich, stellte das Gericht fest. Auch hier gelte das Gleichbehandlungsgebot, schrieb das Gericht der Landesregierung ins Stammbuch.

Die Landesregierung verpflichtete sich nun, der „Linksjugend“ für die Jahre 2007, 2008 und 2009 Fördermittel gemäß des jeweils gültigen Verteilerschlüssels nachzuzahlen.

Der Landesvorsitzende der Partei Die LINKEThüringen Knut Korschewsky sagt hierzu:

„Dieses Ergebnis ist eine schallende Ohrfeige für die Politik der Thüringer Landesregierung unter Vogel und Althaus sowie der CDU-Jugend, die sich aus politischer Oppurtinität angemaßt haben über die Förderung politischer Jugendarbeit entgegen rechtsstaatlichen Grundsätzen alleine zu bestimmen. Der politisch motivierten Benachteiligung hat das Gericht in Gera nun endlich Einhalt geboten. Nachdem in diesem Jahr Regelungen für die zukünftgie Finanzierung von Stiftungen, kommunalpolitschen Vereinen und Jugendverbänden durch den Thüringer Landtag getroffen wurden, ist nun auch rückwirkend für die Linksjugend Rechtsstaatlichkeit hergestellt worden. Das ist ein guter Tag für Pluralität und Demokratie in Thüringen.“

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Besuch aus der Anstalt – Urban Priol und Georg Schramm bei Protesten gegen Stuttgart 21

Markt der Proteste am 27.10.10 in Jena in der Löbderstraße

Die Erhöhung von Hartz IV ist für alle Arbeitslosen eine unheimliche Enttäuschung. Mehr noch. Sie ist eine Verhöhnung von Seiten der schwarz-gelben Bundesregierung. Die Erhöhung sind Peanuts im Vergleich zum Bankenrettungspaket und co. Zudem soll zukünftig am Gesundheitssystem gespart werden. Dieser rigide Sparkurs ist unsozial, da er erneut nur einseitig bei den Arbeitslosen und ArbeitnehmerInnen zuschlägt. Gegen diese Fehlentscheidungen muss und wird von Seiten der DGB-Gewerkschaften, der Linksjugend [’solid] Jena, der Hochschulorganisation dieLINKE.SDS Jena, der Partei DIE LINKE und vielen Sozialverbänden mobil gemacht. So findet am Mittwoch dem 27.10.2010 ab 14:00 Uhr auf der Löbderstraße in Jena ein „Markt des Protestes“ statt.
Weiterhin rufen alle Beteiligten zur Teilnahme an der bundesweiten Demonstration am 13.11.2010 in Erfurt auf.

Zur Demonstration in Erfurt
Beginn der Demo: 10:00 Uhr am 13.11.2010
Veranstaltungsorte in Erfurt: u.a. Domplatz und Staatskanzlei
Busabfahrtszeit aus Jena: 8:30 Uhr, Busplatz gegenüber des Paradiesbahnhofs
Anmeldung: 03641/ 46860

Monitor – Stuttgart 21: Warum die Polizei wirklich so hart zuschlug 21.10.10

Da bei dem Polizeieinsatz in Stuttgart nicht nur „linke“ sondern auch „ganz normale Bürger“ verletzt wurden, kommen langsam auch die Politmagazine der öffentlich rechtlichen in Bewegung. Dieses Video ist ein Ausschnitt aus der ARD Sendung Monitor. Die Sendung geht dem Verdacht nach, dass die Eskalation rund um die Proteste in Stuttgart politisch gewollt war.

Bereits vor einigen Tagen haben wir zu dem Thema einen Artikel aus dem Hamburger Abendblatt veröffentlicht. In diesem Artikel gaben Polizeibeamte zu, dass Beamte in Zivil eingesetzt werden, welche Straftaten begehen sollen um so ein gewaltsames Vorgehen gegen Demonstranten zu legitimieren.

Castor? Schottern! – auch in Jena

Auf den heise Seiten in TELEPOLIS ist ein Artikel von Peter Nowak erschienen, der sich mit einer neuen Form des Protests gegen die Atomindustrie beschäftigt. Für alle die auch demonstrieren wollen, findet heute Abend (Donnerstag) eines von mehreren Vorbereitungstreffen statt (20 Uhr im Raum 206 der Carl-Zeiß-Str. 3).

Vom Blockieren zum Schottern – Radikalisiert sich der Anti-AKW-Protest?

Einige Mandatsträger der Linken müssen mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen rechnen. Sie haben neben Gewerkschaftern, Wissenschaftlern und politischen Aktivisten einen Aufruf zum Schottern unterzeichnet. Dieser vor wenigen Monaten noch völlig unbekannte Begriff hat es aus der politischen Szene mittlerweile in die Medien geschafft. Damit wird das Herauslösen von Steinen aus dem Gleisbett bezeichnet, auf dem im November 2010 der nächste Castor mit Atommüll nach Gorleben transportiert werden soll.

Die Organisatoren verstehen diese Aktionsform als eine Weiterentwicklung des Anti-Atomprotests. In den letzten Jahres wurde im Rahmen der Aktion X-tausendmalquer mittels Blockaden der Castortransport verzögert. Die Aktion Schottern wurde im Wesentlichen von dem Bündnis Interventionistische Linke ausgearbeitet, das damit eine Aktionsform propagiert, die über bloße Demonstrationen hinausgeht und trotzdem auch für Menschen aus den sozialen Bewegungen und politischen Parteien vermittelbar ist. Die Unterstützerliste zeigt, dass das Kalkül in Bezug auf die Linke aufgegangen ist. Dass grüne Mandatsträger nicht darunter sind, lag nur an dem Beschluss der Organisatoren, diese auszusparen, weil sie diese Partei für zu etabliert hielten und deren Atomkompromiss ablehnen.

Ziviler Ungehorsam oder Straftat?

Grüne Mandatsträger und Organisatoren stehen allerdings neben den Jusos und Jochen Stay von X-tausendmalquer unter einer Solidaritätserklärung mit Castor schottern. Dort heißt es:

„Wir haben Verständnis für diese Aktionsform als ein Stoppschild für eine Politik, die Mensch und Umwelt hinten anstellt und verurteilen jeden Versuch einer Kriminalisierung derjenigen, die sich in dieser Form engagiert der Atomkraft entgegenstellen. Wir sehen diesen Akt des zivilen Ungehorsams als Ausdruck für das Streiten um die Unversehrtheit der jetzigen und der kommenden Generationen.“

Die Aktionsform hat zu heftigen Diskussionen geführt. Handelt es sich um eine legitime Aktion des zivilen Ungehorsams, auch wenn sie „vielleicht nicht vollständig durch das bürgerliche Gesetzbuch gedeckt sein sollte“, wie Florian Wilde vom Studierendenverband Die Linke.SDS erklärte? Oder ist das Schottern eine Straftat, wie es von der Gewerkschaft der Polizei, konservativen Politikern und der Staatsanwaltschaft heißt?

Auch von dieser Debatte können die Aktivisten profitieren. Nach den Erfahrungen der Mobilisierung gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 und den Neonaziaufmarsch in Dresden im Februar 2010 sorgten die Durchsuchung von linken Zentren und die Beschlagnahme von Computern und Materialien für einen Solidaritätsschub über das linke Spektrum hinaus. Bei der Schottern-Kampagne setzte diese Solidarisierung schon bei der Ankündigung von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und der Sperrung einer Internetseite ein.

Deutsche Polizisten: Mörder und Faschisten oder Bürger in Uniform

Dieser Artikel von Jörg Heuer erschien im Hamburger Abendblatt. In dem Artikel geht es um Auseinandersetzungen innerhalb des Polizeiapparates über dir Rolle der Polizei zwischen Politik, Wirtschaftsinteressen und Bürgerbewegungen. Der Artikel ist lesenswert, weil er Aufzeigt mit welchen Mechanismen PolizistInnen im Polizeiapparat auf Linie gebracht werden. Außerdem wirft der Artikel ein anderes Licht auf die Menschen, die uns auf Demonstrationen oft als Willenlose, nur auf Befehle reagierende Schlägertruppe erscheinen.

„Ich weiß, dass wir bei brisanten Großdemos verdeckt agierende Beamte, die als taktische Provokateure, als vermummte Steinewerfer fungieren, unter die Demonstranten schleusen. Sie werfen auf Befehl Steine oder Flaschen in Richtung der Polizei, damit die dann mit der Räumung beginnen kann. Ich jedenfalls bin nicht Polizist geworden, um Demonstranten von irgendwelchen Straßen zu räumen oder von Bäumen runterzuholen. Ich will Gangster hinter Gitter bringen“, erklärt er, wohl wissend, dass Karrieren junger Polizisten nur durch die Einsatzhundertschaften gehen, die auch er durchlaufen muss.

„Wir werden von der Politik verheizt“ – Polizisten erzählen

Nach dem Einsatz gegen Stuttgart-21-Gegner und vor dem Castor-Transport nach Gorleben erheben Polizisten schwere Vorwürfe.

Er war mit seiner Hundertschaft mitten im „Kampfgetümmel“, sagt Polizeikommissar Thomas Mohr, 48. Ende September und Anfang Oktober, im Stuttgarter Schlossgarten bei den Großdemonstrationen gegen das Bahnhofsprojekt, bei denen Polizeikräfte Wasserwerfer, Schlagstock und Pfefferspray gegen „friedlich demonstrierende Bürger, Kinder, Rentner und brave Schwaben“ einsetzten. Ein Schock für den baden-württembergischen Ordnungshüter. Den Einsatz von Kollegen, den er aus den geschlossenen Reihen seiner Hundertschaft „wie ohnmächtig“ mit angesehen hat, kann er bis heute nicht verstehen. 400 Demonstranten wurden dabei verletzt. Er macht ihn wütend, lässt ihn zweifeln. „Wir werden von der Politik immer mehr missbraucht und verheizt. Zweckentfremdet und benutzt, der Imageschaden für uns Polizisten, die per Treueschwur und Dienstbefehl für die Regierung den Kopf da draußen auf der Straße hinhalten müssen, ist durch Stuttgart enorm“, schimpft der Mannheimer Beamte mit 25 Jahren Einsatzerfahrung. „In Stuttgart wackelte die Demokratie. Das darf nie wieder passieren.“

Als „Kinderschänder“, „Blutbullen“ und „Erfüllungsgehilfen“ haben Stuttgarter Demonstranten ihn und die anderen seiner mit Absperraufgaben betrauten Hundertschaft an den ersten Oktobertagen nach den gewaltsamen Polizeiübergriffen beschimpft. Eine Rentnerin, gepflegt, gut gekleidet, augenscheinlich „keine Berufsdemonstrantin“, habe ihm vor lauter Wut über das Geschehene den Ellenbogen in den Bauch gerammt. „Das hat mir körperlich nicht wehgetan, doch es hat mich innerlich tief getroffen“, sagt der kritische Kommissar, der in seiner Freizeit Kinder- und Jugendbetreuer ist und sich ehrenamtlich für die Gewerkschaft der Polizei engagiert.

Thomas Mohr kratzt sich am Kinn, schüttelt den Kopf, sucht nach Worten: „In der sonst so ruhigen Hauptstadt der Schwaben wurde ein Exempel statuiert, Macht demonstriert, ganz sicher auch schon mit Blick auf den nächsten Castor-Transport. Stuttgart ist wohl nur Teil eines großen Puzzles. Die Politik vergackeiert uns zunehmend, und, was noch schlimmer ist, sie ignoriert den Willen der Bevölkerung“, sagt er und zeigt auf seinem Computerbildschirm ein Bild der neuen Generation von Wasserwerfern. Sie stehen kurz vor der Auslieferung: blaue futuristische Ungetüme, die noch mehr Liter fassen und wie Panzer aussehen. Thomas Mohr wendet seinen Blick vom Bildschirm ab und guckt aus dem Fenster in den blauen Himmel über Mannheim. „Wenn man scharfe Kampfhunde, ich meine die Polizei-Spezialeinheiten, mit zu einer Demonstration nimmt und sie dann auch noch ohne ersichtlichen Grund von der Leine und räumen lässt, dann beißen sie ohne Erbarmen zu. Dafür wurden sie gedrillt und ausgebildet. Das wussten die, die für den Einsatz verantwortlich waren, ganz genau. Sie mussten das Okay von oben haben. Von ganz oben. Mindestens vom Innenministerium.“

Mit „scharfen Kampfhunden“ meint Thomas Mohr die schwarz und dunkelgrau gekleideten, meist sehr jungen Kollegen von den Beweis- und Festnahmeeinheiten (BFE), die beim Stuttgarter Einsatz größtenteils von der Bundespolizei und aus Bayern kamen.

Der Polizist sitzt in seinem Dienstzimmer im zweiten Stock eines grauen Hauses in Mannheims Innenstadt. An einigen Zimmertüren hängen Stuttgart-21-Aufkleber. Schwarze Schrift auf gelbem Untergrund, von unten links nach oben rechts rot durchgestrichen. Zeichen und Symbol der Bahnhofsgegner. Nach dem Wasserwerfer-Tränengas-Schlagstock-Einsatz sympathisieren noch einige Beamte mehr aus Mohrs Hundertschaft mit den Gegnern des milliardenteuren Bahnhof-Projekts. Er selbst will auch nicht, dass der Bahnhof gebaut wird.

Werde er noch einmal Zeuge einer solchen „Gewaltorgie“, bekomme er gar selber den Befehl, gegen friedliche Demonstranten den Schlagstock einzusetzen, werde er von dem in den Beamtenstatuten definierten Remonstrationsrecht Gebrauch machen: Nach Vorschrift des Beamtenrechts muss der Beamte dienstliche Handlungen auf ihre Rechtmäßigkeit prüfen. Hat er Bedenken gegen eine Weisung, kann er seinen Vorgesetzten gegenüber remonstrieren, gegen die Ausführung der Weisung Einwände erheben. Remonstrierer werden bei Beförderungen gerne übergangen, gelten als Querulanten, weiß Thomas Mohr: „Doch die Situation in diesem Herbst ist so ernst, sie erfordert auch aus den Reihen der Einsatzkräfte Beamte, die den Mund aufmachen. Was in Stuttgart passiert ist, war falsch. Ich war dabei. Ich schäme mich dafür.“

Die Politik sorge mit ihren Entscheidungen für immer mehr gesellschaftliche Konflikte, die Polizei werde zunehmend als Puffer zwischen Politik und Gesellschaft missbraucht, die Verlässlichkeit in politische Entscheidungen scheine einer großen Nähe zur Wirtschaftslobby gewichen zu sein, die innere Sicherheit stehe kurz vor dem Kollaps, beklagte kürzlich Konrad Freiberg, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, in deutlichen Worten.

Derzeit versehen zwischen Bayern und Schleswig-Holstein 239 000 Polizeibeamte ihren Dienst. 10 000 Stellen wurden allein in den letzten zehn Jahren gestrichen. Die Einsätze werden jedoch immer zahlreicher und schwieriger. Rücken die Hundertschaften zu Fußballspielen aus, zu Aufmärschen von Neonazis oder zu Demonstrationen und Krawallen von Linksautonomen, sind die Fronten noch klar. Hooligans, Rechte, schwarze Blöcke und die sogenannten Berufsdemonstranten müssen in Schach gehalten werden. In Stuttgart oder Gorleben jedoch stehen die Polizisten breiten, größtenteils friedlichen Bürgerbewegungen gegenüber.

Dauerbelastung, Stress und unzureichende psychologische Betreuung gehen zunehmend an die Substanz der uniformierten Staatsmacht. Nach einer Studie der Hochschule Magdeburg-Stendal fühlen sich rund 25 Prozent der Bundespolizisten und zehn Prozent der Landespolizisten ausgebrannt. „Wir haben einen außergewöhnlich hohen Krankenstand in vielen Behörden, manchmal sind es 30 Tage pro Beamter pro Jahr. Das Burn-out-Syndrom wird zunehmen und ein noch ernsteres Problem werden“, erklärt Polizeiberater und Lehrtrainer für Stress, Erich Traphan, 61, von der Fachhochschule Münster. „Und die Suizidraten unter Polizisten in einigen Bundesländern sind durchaus besorgniserregend. Viele Polizisten erleben in einem Monat mehr Hochstress-Situationen als ein Durchschnittsbürger in seinem ganzen Leben.“ Traphan hat schon vor Jahren ein Antistress-Trainingsprogramm für Beamte entwickelt. Der Ansturm ist groß. Es gibt Wartelisten, die immer länger werden.

Hannes Hecht (Name geändert), in Hamburg aufgewachsen, ist noch keine 30 Jahre alt und sehr vorsichtig. Der Treffpunkt für das Gespräch liegt weit weg von seiner Dienststelle in einer norddeutschen Großstadt. Er ist fast zwei Stunden mit dem Auto gefahren. Er möchte nicht mit seinem richtigen Namen in der Zeitung stehen, sagt er: „Kritik an die Politik aus den Reihen der Einsatzpolizei ist leider noch eine sehr zarte Pflanze. Ich hoffe, sie kriegt jetzt einen Wachstumsschub.“ Hannes Hecht, Jeans, hellblaues Hemd, frisch rasiert und akkurate Frisur, strebt eine Karriere beim Landeskriminalamt an. Alles lief glatt. Zielfahnder sei sein Traumjob, sagt er. Das Abitur hat er mit einem Zweierdurchschnitt gemacht, die Polizeiführungsakademie besucht, Erfahrungen im Rauschgift- und im Betrugsdezernat gesammelt, komplizierte Fälle aufgeklärt. Er hat bereits einige Sprossen auf der Karriereleiter erklommen. Doch vor wenigen Wochen ist er ausgerutscht.

Als seine Einheit nach Stuttgart verlegt werden sollte, stellte er einen Urlaubsantrag, weil er den Einsatz nicht mittragen konnte. Und wollte. Er hat verwandtschaftliche Beziehungen nach Stuttgart. Er ist auch ein Bahnhofsgegner. „Ich weiß, dass wir bei brisanten Großdemos verdeckt agierende Beamte, die als taktische Provokateure, als vermummte Steinewerfer fungieren, unter die Demonstranten schleusen. Sie werfen auf Befehl Steine oder Flaschen in Richtung der Polizei, damit die dann mit der Räumung beginnen kann. Ich jedenfalls bin nicht Polizist geworden, um Demonstranten von irgendwelchen Straßen zu räumen oder von Bäumen runterzuholen. Ich will Gangster hinter Gitter bringen“, erklärt er, wohl wissend, dass Karrieren junger Polizisten nur durch die Einsatzhundertschaften gehen, die auch er durchlaufen muss.

Sein Urlaubsantrag wurde abgelehnt. Der Vorgesetzte drohte vor versammelter Truppe, dass Beamte, die sich vor solchen Einsätzen krankmeldeten oder beim Einsatz durch Zurückhaltung auffielen, Ärger bekämen. Und unter vier Augen steckte er Hannes Hecht, dass er seine Karriere vergessen, maximal noch Dorfpolizist werden könne, wenn er sich bei dem Einsatz nicht bewähre.

Schlimm sei es für ihn in Stuttgart gewesen, sich beschimpfen zu lassen als „staatshöriger Vollstrecker“ und „vorauseilender Gehorsamer“. Das tue weh, frustriere und sei nicht gut fürs innere Gleichgewicht: „Ich erkenne mit mehr als nur Magengrummeln, dass der Staat, dem ich diene und der mich damit beauftragt, Recht und Gesetz durchzusetzen, selbst in seinen inneren Strukturen immer weniger freiheitlich und demokratisch ist.“

Seinen Job zu kündigen kommt für den norddeutschen Polizisten jedoch nicht infrage. Das kann er sich nicht leisten: Er ist frisch verheiratet, seine Frau hat gerade das zweite Kind bekommen – und er hat nichts anderes gelernt als Polizist. Wenn er beim Landeskriminalamt endlich fest im Sattel sitze, werde er zu keinen Demonstrationen mehr beordert, hofft er.

Anfang November wird seine Hundertschaft jedoch erst mal beim Castor-Transport eingesetzt. Wohl in der „heißen Zone“, kurz vor dem Zwischenlager in Gorleben, der vorläufigen Endstation des Atommülls. Und er wird im Wendland unter Beobachtung seiner Vorgesetzten stehen, das weiß Hannes Hecht ganz genau: „Gorleben macht mir jetzt schon Albträume. Es ist nicht einfach nur der Ort, wo der nächste Castor hingeht und wo ein zweifelhaftes Endlager gebaut wird. Gorleben ist für mich ein gefährliches Gespenst, vor dem ich Angst habe.“

Eckhard Groß, 63, pensionierter Hauptkommissar, verheiratet, zwei Söhne, nimmt einen Schluck vom Kaffee, den seine Frau frisch gebrüht hat. Von seinem Wohnhaus in dem kleinen Dorf Liepe sind es gerade mal acht Kilometer Luftlinie bis nach Gorleben. Der Rand des Salzstocks, in dem das Endlager gebaut werden soll, liegt direkt unter seinem Grundstück. Er sei schon immer Atomkraftgegner, ein „grüner Bulle“ gewesen, sagt er: „Ich bin früh zu dem Schluss gekommen, dass man hier in der tiefsten, dünn besiedelten Provinz der Atomlobby, manche sagen Atommafia, Tür und Tor öffnet und den Weg bereitet. Die jüngst wieder verlängerten Laufzeiten kotzen mich an. Eigentlich würde ich gerne so manchen Politiker wegen Verdachts der Korruption anzeigen.“

Eckhard Groß winkt ab, bevor er sich in Rage redet. Er lehnt sich zurück und fährt sich mit der Hand durchs dichte graue Haar. „Politik ist der kleine Raum, den die Wirtschaft ihr lässt. Hat vor gut 20 Jahren mal ein kluger Mann gesagt. Kann man nicht viele Argumente dagegen bringen, oder? Gerade hier im Wendland nicht.“

Beim Castor-Transport wird der Ex-Hauptkommissar mit demonstrieren. Er will verhindern helfen, dass der Castor ankommt. Diesmal, sagt er, könne er aufgehalten werden. Und dann, wohin mit dem Atommüll? „Diese Suppe sollen diejenigen auslöffeln, die sie uns eingebrockt haben“, antwortet Eckhard Groß, der „heilfroh“ ist, dass er dabei seinen Kopf nicht mehr als Ordnungshüter hinhalten muss. Die Uniform und alles, was ihn an seinen aktiven Polizeidienst erinnert, hat er sofort nach der Pensionierung entsorgt.

Linux Ubuntu 10.10 „Maverick Meerkat“ zum Download frei gegeben!

Heute ist das kostenlose Betriebssystem Ubuntu in seiner neusten Auflage erschienen. Ubuntu ist ein Linux-System, das jeder kostenlos nutzen kann und wer möchte kann auch selbst Mitentwickeln. Das Betriebssystem Linux Ubuntu erscheint alle 6 Monate in einer rund erneuerten Version. Jede Version wird 18 Monate mit Aktualisierungen versorgt. Alle zwei Jahre erscheint eine Version mit sogenannter Langzeit-Unterstützung, die sogar drei Jahre mit Aktualisierungen Versorgt wird. Die letzte Version mit Langzeit-Unterstützung ist die Version 10.4 „Lucid Lynx“ welche vor 6 Monaten veröffentlicht wurde. Die erst Zahl beschreibt das Jahr, in dem die Version erschienen ist, die zweite Zahl den Monat. 10.10 bedeutet also, dass Maverick Meerkat“ im Jahr 2010 im Oktober erschienen ist. Scherzhafter weise wählten die Entwickler als Veröffentlichungsdatum den 10.10.2010. Der Spitzname der Version „Maverick Meerkat“ bedeutet soviel wie „rebellisches Erdmännchen“. Das Wort „Ubuntu“ kommt aus der Zulu Sprache und bedeutet übersetzt so viel wie „Menschlichkeit“, was die Philosophie der Entwickler widerspiegelt. Die Entwickler verfolgen mit Ubuntu das Ziel, ein einfach zu installierendes und leicht zu bedienendes Betriebssystem mit aufeinander abgestimmter Software zu schaffen. Dies soll unter anderem dadurch erreicht werden, dass für jede Aufgabe genau ein Programm zur Verfügung gestellt wird. Dazu wird populäre Software wie Open Office oder Firefox genutzt, aber auch ein Sofortnachrichtensender, ein Musik und DVD Abspieler, ein Mailprogramm, eine Bildbearbeitung, ein Brennprogramm und alles was man sonst noch braucht ist von Anfang an mit an Bord. Langes Suchen nach dem richtigen Programm und Downloads von Fragwürdigen Internetseiten sind unnötig.

Ubuntu ist ein modernes Betriebssystem, bei dem alle zum Arbeiten nötige Software von Anfang an mit installiert wird und durch eine zentrale Update-Verwaltung mit einem Klick immer alles auf dem neusten Stand bleibt. Trotzdem ist das Betriebssystem schlank und läuft auf alten wie neuen Rechnern flüssig und schnell. Es ist also egal, ob ihr einen neuen Rechner zu Hause stehen habt oder ob ihr ein uraltes Notebook im Schrank liegen habt, das den Ansprüchen von Vista oder Windows 7 nicht mehr gewachsen ist .

Datei:Ubuntu logo.svg

Übrigens: Gerade Nutzer von Apple Produkten sollten sich auf den Schlips getreten fühlen. Immerhin handelt es sich bei Linux ebenso wie bei Apple um ein Unix System. Ihr habt also die Wahl, ob ihr euch ein 1000 bis 2000 Euro teures MacBook von Apple kauft und für viele Software Updates Geld berappen müsst, oder ob ihr euch ein Laptop für 300 bis 500 Euro nehmt und eine Mac OS X ebenbürtige Software aufspielt die nichts kostet und euch eben so kostenlos immer die aktuellste Version bereit stellt.

Egal ob ihr bisher Windows oder Apple benutzt habt, ihr könnt euch euer Ubuntu mit wenigen Handgriffen so gestalten, dass der Übergang vom einem oder vom anderen leicht fällt. Fensterknöpfe rechts oder links, helle oder dunkle Oberflächen… macht euch die Welt, wie sie euch gefällt. Braucht ihr mal Hilfe, könnt ihr in der eigenen Ubuntu-Wikipedia nachschlagen oder ihr könnt im Ubuntuuserforum um Rat fragen und erhaltet freundliche Unterstützung von erfahrenen Nutzern die euch gerne zur Seite stehen. Braucht ihr ein persönliches Gespräch, können wir euch die Linux-User-Group-Jena empfehlen.

Kostenlos herunterladen könnt ihr das vollständige Betriebssystem zum Beispiel hier (64-Bit Version hier). Falls ihr grundlegende Fragen vor der Installation habt, könnt ihr euch im Forum von Ubuntuuser anmelden und die Fragen hier stellen oder zunächst diesen Artikel aus der Ubuntu-Wikipedia lesen. Nach dem ihr die Datei herunter geladen habt, einfach auf eine CD brennen und den Rechner neu starten. Beim Hochfahren startet der Rechner von der CD aus und ihr könnt entweder Ubuntu gleich Installieren oder das System erst mal nur von der CD aus starten. In diesem sogenannten Live-CD Modus bleibt der Rechner unverändert aber ihr könnt euch mal anschauen wie das Betriebssystem so aussieht. Wenn ihr Ubuntu installieren wollt, müsst ihr euer bisheriges Betriebssystem nicht überspielen. Es lassen sich problemlos Linux und Windows nebeneinander Installieren. Beim Hochfahren könnt ihr dann wählen ob Linux und Windows gestartet werden soll. Vorher nicht Vergessen: Daten sichern, den Vorsicht ist besser als Nachsicht. Wie gesagt: Fragen, Unklarheiten, Hilfe?!? Informiert euch bei Ubuntuusers oder bei der Linux-User-Group-Jena.

Malte