Aktion gegen Rückkehrappell der Bundeswehr in Gera und Repression gegen AntimilitaristInnen

Am 8.April führte die Bundeswehr auf dem Geraer Markt- platz einen so genannten Rück- kehrappell für Beteiligte an den „kriegsähnlichen Zuständen“ in Afghanistan durch. Der Bundestag stockt entgegen dem Mehrheitswillen der Bevölkerung die Truppen in Afghanistan auf. In diesen Tagen finden zum 65. Mal die Ostermärsche der Friedensbewegung statt. Die LINKE rief zu einer Kundgebung gegen den Afghanistankrieg und  den Rückkehrer-Appell auf. Wir sagen Nein zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr, Anwerbung von „Kanonenfutter“ in Schulen, Arbeitsämtern und Volksfesten, Nein zu steigender Rüstungsproduktion und der Militarisierung des öffentlichen Raumes. Daher haben wir am 8. April in Gera mit rund 150 Menschen gegen den Rückkehrappell demonstriert.

Die auf dem Marktplatz massenhaft anwesende Polizei nutzte dies aus, um Menschen, die nach ihrer Ansicht dem linken Spektrum angehörten, vorzeitig Platzverweise für den Markt auszusprechen. Die Kundgebung der LINKEN am Museumsplatz war nicht nur durch Sympathisanten gut besucht, auch Polizisten in Zivil oder in Uniform zeigten ständig Präsenz, immer wieder kam es zu Personalkontrollen und Platzverweisen.

Mit feierlichem Marsch stampfte  später der Musikkorps auf den Markt, um die Überbleibsel der als Helden verehrten Berufskiller auf dem Gerarer Markt zu ehren. Während der Zeremonie  hielten Leute wie Christine Lieberknecht Reden um die Einsätze zu rechtfertigen. Mit der militärischen Zeremonie mitten in der Stadt soll eine Normalisierung von Krieg und Militär erreicht werden.

Dass dies ein Verbrechen ist und sofort beendet werden muss, demonstrierten einige Zuschauer, indem sie Plakate mit den Namen der Opfer des Afghanistan Krieges hoch hielten. Um die Zeremonie nicht zu gefährden, griffen sofort Polizei und Bundeswehr ein. Die Demonstranten wurden eingekesselt und vom Markt entfernt.

Währenddessen wurden 2 junge Zuschauerinnen Opfer der dort anwesenden Einheiten von Polizei und Bundeswehr. Der Hund eines Feldjägers biss die eine Zuschauerin in die Hand, so dass sie später Not- ärztlich behandelt werden musste. Die andere Person kam mit blauen Flecken davon, nachdem Polizeibeamte der Stadt Saalfeld sie mehrmals zu Boden warfen und schließlich fesselten, bevor sie in Sicherheitsgewahrsam genommen wurde.

Steff

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3 Responses to “Aktion gegen Rückkehrappell der Bundeswehr in Gera und Repression gegen AntimilitaristInnen”


  1. 1 Thomas Brischkofski 11/04/2010 um 08:04

    Es steht jedem frei, zu den Einsätzen der Bundeswehr seine Meinung zu haben – ich zum Beispiel halte diese Einsätze bei aller Problematik für richtig.

    Ich finde es auch richtig, gegen diese Einsätze – wenn man denn dagegen ist – zu protestieren. Dies sollte man dann gegenüber den hierfür Verantwortlichen tun – also den Politikern und meinetwegen den Generalen, wobei letztere auch nur den Anordnungen der Politik Folge leisten.

    Völlig falsch finde ich es, bei Apellen der Bundeswehr – insbesondere bei Verabschiedungs- und Rückkehrapellen – zu protestieren. Egal, wie wir zu den Einsätzen stehen, wir sollten den Soldaten gemeinsam eine gesunde Heimkehr wünschen und wir sollten uns über jeden Soldaten freuen, der/die gesund nach Hause kommt. Die sind da nicht, weil sie das besonders toll finden.

    Wenn tatsächlich, wie die Umfragen sagen, die Mehrheit der Bevölkerung gegen den Einsatz in Afghanistan ist, dann sollte das politisch durch- und umgesetzt werden, aber nicht auf dem Rücken unserer Soldaten.

    Herzliche – auch nachdenkliche – Grüße
    Thomas Brischkofski

    • 2 linxxjena 11/04/2010 um 12:58

      Hallo Thomas,
      schön, dass du deine Position an dieser Stelle dargelegt hast. Gegenüber den verantwortlichen Politikern protestieren wir natürlich auch, ob bei den Ostermärschen, bei Demos anlässlich eines erneuten Weiterdrehens in der Gewaltspirale, oder die Linksfraktion direkt im Parlament.
      Aber man kommt nicht darum herum sich auch denen zuzuwenden, die letztlich die Befehle ausführen, die ihnen gegeben werden. Zum Krieg gehört nicht nur einer, der laut „Angriff“ schreit, sondern auch viele, die daraufhin los stürmen. Kein Mensch wird zum Militärdienst gezwungen sondern jeder, der in Afghanistan kämpft, hat sich zuvor bei der Bundeswehr dazu verpflichtet. Wer sich dazu verpflichtet die Interessen von wem auch immer mit Gewalt durch zusetzten, der trägt auch selbst Verantwortung für das was geschieht.
      Der Protest machte in erster Linie aufmerksam auf die Opfer des Krieges: Die Zivilbevölkerung. Konkret auf die Dorfbewohner, die bei den Tanklastern bei Kunduz „vernichtet“ wurden. Zum anderen richtete sich der Protest gegen die Militarisierung des öffentlichen Raumes. Krieg ist keine tolle Sache wo man irgendwelche Helden empfangen und öffentlich Feiern muss.

      • 3 Thomas Brischkofski 11/04/2010 um 18:52

        Hallo linxxjena,
        natürlich haben sich die Soldaten selbst entschieden zur Bundeswehr zu gehen und gerade in den letzten Jahren mit großer Ernsthaftigkeit, denn jeder muss heute damit rechnen, in den Einsatz zu gehen, oder wie Du es sagsen würdest, in den Krieg. Und natürlich ist dann auch jeder für sein Verhalten selbst verantwortlich. Du darfst aber mit größter Sicherheit davon ausgehen, dass niemand – kein Soldat – den Krieg, den Einsatz, den Kampf, den Tod – und erst recht nicht den eines Zivilisten will. Unsere Soldaten erwarten nur eins (übrigens der letzte Satz des Films 9/11 von Michael Moore:) Dass Sie nicht verheizt werden. Und davon gehe ich persönlich aus. Wie gesagt, ich respektiere Deine politische Meinung, und ich werde niemals einen Toten gegen den anderen aufrechnen, aber die Soldaten, die dabei ums Leben kamen, sind genauso viel wert wie die Zivilisten. Deshalb würde ich es richtig finden, den Soldaten mit Respekt zu begegnen, sie nicht zu beschimpfen. Natürlich kann man auch mit Soldaten diskutieren (Du tust es übrigens gerade – ich bin allerdings Reservist und war noch nicht im Einsatz), und natürlich kann man auch einem Soldaten sagen, dass er – Deiner Meinung nach – auf der falschen Seite steht. Aber gefallene Soldaten zu beleidigen oder zu sagen: Selbst schuld?

        Ich bin wahrscheinlich kein Fan des bisherigen Präsidenten Polens. Doch die Nachricht seines Todes – vor allem im Zusammenhang mit seiner Reise nach Katyn – hat mich ehrlich erschüttert. Soll man sagen, er hat sich doch freiwillig in das Flugzeug gesetzt?

        Gehen wir respektvoll miteinander um – egal, welche politische Position wir einnehmen.


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